Dies ist eine alternative Geschichte zur 11. Staffel der neuen Doctor Who Serie. Als Vorlage für den neuen Doktor dient der Schauspieler Rhys Ifans. Die Geschichten werden in Zukunft sporadisch fortgesetzt werden. Dies soll quasi nur der Pilot meines eigenen Doktors sein, der jedoch, anders als in der TV-Serie, sich seiner Vergangenheit und Geschichte bewusst sein soll und diese nicht ignoriert.

Doctor Who – Neue Ufer

von André McFly

 

“Ach da ist es … dummes altes Universum … je öfter ich es rette, um so öfter muss ich es retten … eine Tretmühle.” sagte der Doktor und starrte auf den Monitor der TARDIS-Konsole. Prompt quittierte die TARDIS diese Aussage des Doktors mit einigen Quietschgeräuschen.
“Ja, ja ich weiß, sie machen es noch schlimmer, wenn ich fehle” erwiderte der Doktor mit einem Ton, der seine Müdigkeit kaum noch zu verbergen vermochte und fügte schließlich hinzu: “Oh ich sag mal so … hängen wir noch ein Leben dran. Das wird keinen umbringen … von mir abgesehen.” Er wandte sich von der Konsole ab und stieg die Stufen seiner TARDIS herauf.
“Augenblick mal, Doktor … wenn dann richtig” sagte er zu sich selbst, während er die obere Ebene seiner TARDIS entlang strich und die Lebenszeit dieser Inkarnation Revue passieren ließ “Ich muss dir noch ein paar Dinge sagen! Zunächst das fundamentale. Sei niemals feige, sei niemals grausam und iss niemals Birnen! Und nicht vergessen … Hass ist sowas von töricht und Liebe ist immer weise. Versuch ruhig immer nett zu sein, aber hör nie auf gütig zu sein – Oh, und … verrat bloß niemandem deinen Namen! Es würde ihn ohnehin keiner verstehen. Mit Ausnahme von Kindern.”
Der Doktor brach zusammen. Er wusste, er konnte die sich anbahnende Regeneration nicht weiter hinauszögern. Sein Körper hörte auf ihm zu gehorchen.
“Kinder hören ihn gelegentlich, vorausgesetzt sie haben ihr Herz am rechten Fleck … und die Sterne sind da auch. Kinder, ja, die hören deinen Namen.” flüsterte er nun, während der Schmerz seines sterbenden Körpers spürbar wurde. Mit letzter Kraft zog er sich noch einmal an der Konsole hoch.
“Aber keiner sonst. Keiner sonst. Niemals” fuhr er fort und mit einem bestimmenden Ton fügte er für sich und seinen zukünftigen Ich seine letzten Worte hinzu “Lache laut! Lauf schnell. Vergiss nicht gütig zu sein. Doktor … ich lass dich los.”
Er spürte wie die Energie aus seinen Körper strömte, wie sie aus ihm herausbrach. Die Strahlen seiner Regeneration schlugen auf die TARDIS um ihn herum ein und ließen Funken sprühen und Dampf aufsteigen. Ein warmes und wohliges Gefühl umarmte ihn und er schloss die Augen.

Stille.

In einem großen, leeren, dunklen Raum, welcher aus nichts anderem Bestand als spiegelnden, dunklen Steinkacheln, wachte ein Mann auf. Er blickte um sich. Sein Blick war verschwommen. Langsam tastete er um sich herum und versuchte die Situation zu verstehen. Wo war er? Er richtete sich auf und begutachtete sich und den dunklen Raum, in dem er sich befand. Anders, als es die Optik des Raums vermuten ließ, war es wohlig warm und er fühlte sich gut. Fast würde er sagen … erholt. Seine Sehstärke nahm langsam zu. Er bemerkte, dass er einen sehr in Mitleidenschaft gezogenen dunklen Anzug trug, der seine besten Zeiten definitiv hinter sich hatte. Langsam schritt er vorwärts auf eine Wand zu. Wo war er hier nur? Wie ist er hier hingekommen? Er streckte die Hand zur vertäfelten, dunklen Steinwand aus und berührte sie schließlich. Sie war warm und irgendwie fühlte sie sich … lebendig an. Ganz so, als würde sie in pulsierenden Intervallen vibrieren. Aus einem ihm unerklärlichen Grund beruhigte dies den Mann, der sich nun in der spiegelnden Oberfläche selbst betrachtete. Ein ihm unbekanntes Gesicht schaute zurück. Er musterte sein blondes Haar, seine blauen Augen und den dezenten Bart, den er trug.
“Ich hatte keinen Bart mehr seit…” dachte der Mann und konnte den Gedanken nicht zuende bringen. Er erinnerte sich nicht. Langsam strich er sich mit dem Finger über den Bart am Kinn entlang.
“Wer bin ich?” flüsterte er und schaute sich selbst dabei tief in die Augen, mit einer Stimme, die er noch nie zuvor gehört hatte.
Er drehte sich um und sah nur die leere des Raumes um sich. Dort war nichts, nur er, er alleine, ohne zu wissen, wer er ist. Mit bedachten Schritten ging er an der Wand entlang und ließ dabei seine Hand über diese Streifen. Egal wie weit er voran ging, die pulsierende Vibration, die er dabei spürte, blieb konstant. Und trotzdem, egal wie weit er auch ging, der Raum schien weder ein Ende zu haben, noch sich zu verändern. Er hatte keine Wahl, er musste weitergehen. Weiter entlang in diese endlose Dimension. Diese endlose relative Dimension. Dachte er kurz und fragte sich, wo dieser Gedanke herkam. Je weiter er fortschritt, desto mehr fiel ihm auf, dass er kein Zeitgefühl hatte. Er wusste nicht, ob er erst Minuten, oder schon Stunden oder gar Tage dort verbrachte.
“Die Zeit in dieser relativen Dimension scheint eigene Regeln zu haben.” murmelte er feststellend zu sich selbst und blieb stehen. Was ist, wenn er schon Wochen oder Monate unterwegs war? Hatte es dann überhaupt einen Sinn weiterzugehen? Sollte er vielleicht zurückgehen und den Weg in die entgegengesetzte Richtung ausprobieren? Würde dies einen Unterschied machen? Gerade als er eine Entscheidung fällen wollte, riss ihn etwas aus den Gedanken. Ein Geräusch. Ein Läuten. Eine Glocke. Eine Klosterglocke. Er sank mit dem Rücken zur Wand zu Boden. Dieses Läuten klang so fremd und doch so vertraut. Als hätte er dies schon unzählige Male gehört … nur eben nicht mit diesen Ohren. Die Zeit verging – oder verging nicht. Er versuchte die Glockenschläge zu zählen, aber es gelang ihm nicht. Waren es bisher 5 oder schon 50 Schläge? Er wusste es nicht. Er wusste gar nichts. Und noch während er in den Raum blickte, während er die Leere, die Dunkelheit und die Ungewissheit des Raumes begutachtete, während er über die nicht greifbare Zeit in dieser relativen Dimension nachdachte, glitt er rückwärts nach hinten weg und entschwand dem Raum mit einem wohligen Gefühl der Erleichterung. Es war als würde er fallen. Aber nicht unkontrolliert. Er hatte keine Angst. Er glitt etwas hinab, was kein Oben und kein Unten hatte, was keinen greifbaren Boden und keine Decke hatte. Er fiel, aber irgendwie stand er auch – oder lag er? Um ihn herum blitzten Lichter auf. Er erkannte, dass sich um ihn herum Dinge manifestierten. Endlich etwas anderes als dunkle Steinvertäfelungen. Er fiel durch einen blau-rot beleuchteten Raum mit mehreren Ebenen. In der Mitte des Raumes stand irgendeine Art von Bedienkonsole und über dieser war ein sich drehender Apparat angebracht, auf dem ihm unbekannte … oder doch bekannte … Symbole zu sehen waren. Auf der oberen Ebene schien eine Art Bibliothek zu sein, die schon fast wohnlich und einladend wirkte, was im krassen Gegensatz zur technischen Optik des übrigen Raumes stand. Der Mann kniff die Augen zu und als er sie wieder öffnete, hatte sich der Raum etwas verändert. Das Licht war anders. Ein sehr kühles helles Blau, welches fast schon ins Grüne ging, beleuchtete das Geschehen. Die zuvor noch wohnlich und einladende obere Ebene wirkte neu und unbewohnt und verstärkte nur den Eindruck der Kühle. Noch während der fallende Mann die Veränderung erstaunt betrachtete, verschwamm es um ihn herum und ein völlig anderes Bild bildete sich. Mit rot-braunen, freundlichen Tönen erstrahlte nun eine verspielt wirkende Version des vorherigen Raumes, ebenfalls mit mehreren Ebenen und einer Art Konsole in der Mitte. Hier fühlte der Mann die wohlige Stimmung wieder, welche er zu Beginn schon vernommen hatte. Ein Wohngefühl, das ihn mit Glück erfüllte. Mit fortschreiten seines Falls schienen die Veränderungen jedoch schneller voranzuschreiten. Kaum hatte er das Geschehen um sich herum verarbeitet, schon änderte sich alles wieder. Doch egal wie viel und wie oft es sich veränderte, die Grundzüge blieben gleich. In der Mitte stand diese Konsole und der Rest war drumherum. Egal ob der Raum nun bronzeartig aussah und Dekorationen offenbarte, die entfernt an Korallen erinnerten, ob er sich ganz und gar in eine Art Kathedrale veränderte, ob es nur ein relativ kleiner, hell beleuchteter Raum war, der in weiß und grautönen gehalten war, oder ob die Wände mit runden Verzierungen versehen waren – es war im Grunde immer derselbe Raum. Mit einem Mal, ohne Vorankündigung, war sein Fall zu Ende. Er stand – oder lag er? – im Nichts. Um ihn herum war nichts. Kein Boden, kein Himmel, keine Wände, keine Vertäfelungen, keine Konsole, niemand und gar nichts. Er war vollkommen alleine in seiner Existenz. Und doch, da war es immer noch, dieses pulsierende Vibrieren. Dieses Gefühl, dass jemand da ist, obwohl niemand da war. Dieses unbeschreibliche Gefühl von Vertrautheit. Und dann sah er sie. Eine Tür. War sie schon die ganze Zeit da gewesen? Hatte er sie zuvor übersehen? Nein, das kann nicht sein. Sie ist einfach aufgetaucht. Aus dem Nichts. Im Nichts. Sie war an nichts befestigt. Sie stand auf nichts, sie war einfach da. Genau so wie er selbst. Er schritt auf die Tür zu, obwohl er doch eigentlich bereits vor ihr stand. Langsam umfasste seine Hand die Klinke und mit bedachter Kraft öffnete er die Tür und schritt hindurch. Zum ersten Mal verspürte er Wirklichkeit. Zum allerersten Mal war etwas greifbar. Er verließ die relative Dimension, in der die Zeit eigene Regeln befolgte und betrat die Wirklichkeit, die Realität, den Raum, das Sternenzelt. Zum ersten Mal konnte er tief einatmen und spüren, wie wirkliche Luft ihn umgab und seine Lungen füllte. Er konnte sogar die Sekunden zählen, die er zum ein- und ausatmen benötigte. Die Zeit ist wieder da. Die Zeit war spürbar. Er, der alte Zeitwanderer war zurück in der Zeit.
Zeit-was?
Zeitwanderer… ein Herr der Zeit … ein Time Lord. Er war ein Time Lord. Wie konnte er das vergessen?
Er blickte sich nun zum ersten Mal richtig um. Nicht nur die Zeit verlief normal, auch die Realität um ihn herum erschien ihm zum ersten Mal richtig. Hier war nichts endlos, nichts einfach da, nein, hier ergab es für ihn einen Sinn. Zugegeben, es war nicht viel, was da war und Sinn ergab, aber zumindest etwas. So viel Sinn, wie es halt ergeben kann, wenn man mitten auf dem Wasser steht. Wenn man mitten wo steht? Tatsächlich, er stand auf einem Gewässer. Es war ruhig, keine Wellen, einfach nur Wasser. Ein See, vielleicht sogar ein Ozean, in dem sich der Himmel spiegelte. Der Himmel! Er blickte auf und betrachtete den Nachthimmel, welcher das Sternenzelt offenbarte, das ihm so am Herzen lag. Wolken, Sterne, Planeten, Galaxien, eine endliche Unendlichkeit an Leben. Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit, Nähe, Ferne, alles war da. Langsam senkte sich sein Blick wieder auf das Wasser unter ihn und er betrachtete sich selbst. Diese ihm immer noch fremden Augen starrten zurück. Aber da war noch etwas. Etwas großes, etwas blaues. Hinter ihm stand ein blaues Häuschen.
“Aber klar doch” murmelte er “irgendwie muss ich ja auch hier hergekommen sein.”
Er strich behutsam über die blauen Türen des Häuschens, aus denen er zuvor noch herausgekommen war.
“Aber warum bin ich hier? An diesem Ort?” fragte er das Häuschen, auf dem Police Public Call Box stand, so als erwartete er eine Antwort – jedoch passierte nichts.
Er ergriff den Hebel der Tür und wollte diese wieder öffnen, doch die Tür blieb verschlossen. Eigentlich hatte er gar nichts anderes erwartet, warum sollte die TARDIS ihn auch einfach wieder hereinlassen?
TAR-was?
Er wandte seinen Blick von dem Häuschen und schaute sich um. Es muss einen Grund geben, warum er hier war. Mit langsamen aber wohl überlegten Schritten ging er von dem Häuschen weg und, anders als zuvor im Inneren dessen, konnte er die Entfernung spüren, die Zeit, die mit jedem Schritt verging, wahrnehmen und die Erleichterung nahm mit jedem Schritt zu. Er wollte das Häuschen nicht zurücklassen, er wollte in dessen Nähe bleiben, aber je größer die Entfernung zu ihm wurde, desto freier fühlte er sich. Er ging weiter. immer weiter. Die Richtung war ihm egal. Es spielte keine Rolle. Er wusste, dass es richtig war. Er wusste, dass er das Häuschen nicht verlieren würde, dass er es immer wiederfinden würde. Sein Zuhause würde ihm immer erhalten bleiben.
Sein Zuhause?
Aber natürlich. Die TARDIS war sein Zuhause. Und das schon seitdem er von Gallifrey weg ist, vor all diesen unzähligen Jahren. Er blieb stehen. Es schien als ob sich eine Wolke in seinem Kopf in Luft auflösen würde. Immer mehr Erinnerungen kamen zurück, je weiter er sich von der TARDIS entfernte. TARDIS, Gallifrey, Time Lords … Bill, Amy, Ace, Sarah-Jane, Jamie … all die Abenteuer die er erlebt hatte, die Welten, die er gesehen hatte, all das kam zurück – nur eines nicht.
“Wer bin ich?” fragte er abermals und sein Blick wanderte langsam hinab. Er starrte auf sein Spiegelbild, aber es war nicht dasselbe wie zuvor. In den leichten Wellen, die seine Schuhe auf dem Wasser hinterließen, war nicht der blonde Bartträger von zuvor zu sehen, sondern ein älterer, weißhaariger Mann blickte zurück.
“Du … dich kenne ich doch” sagte er zu dem Spiegelbild und versuchte einen Gedanken zu fassen “Wir haben uns doch gerade erst getroffen, da im Schnee! Du bist… du bist … der Doktor!”
Sein Spiegelbild nickte ihm freundlich zu und verschwamm plötzlich. Der Mann beugte sich vor, kniete sich hin und strich mit seinen Händen über das Wasser, wo eben noch der Doktor zu sehen war. Als sich das Wasser beruhigte, grinste ihn verschmitzt ein weiteres Gesicht an. Es war etwas jünger als der Doktor. Mit den schwarzen Haaren und seiner Fliege, strahlte auch dieser Anblick ein Gefühl der Vertrautheit aus. Der Mann wusste, wer da vor ihm war. Es war der Doktor. Weitere Gesichter erschienen nacheinander und der Mann erkannte sie alle. Den weißhaarigen mit der markanten Nase, den Lockenkopf mit dem langen Schal, den jungen mit der Selleriestange am Rever, den Blondschopf mit dem bunten Anzug, den kleinen mit dem Hut, den langhaarigen in viktorianischer Kleidung, den alten Krieger mit dem Bart –
“Hey, seit dir hab ich keinen Bart mehr getragen!” rief der Mann auf und brachte einen Gedanken zu ende, den er vor einer Ewigkeit angefangen hatte.
– Den kurzhaarigen mit den großen Ohren, den Schönling mit den Koteletten, den jungen Wilden abermals mit einer Fliege, den älteren Herren mit den ungezähmten grauen Haaren und diesem Grinsen dass gleichzeitig angsteinflößend als auch beruhigend war – und zu guter letzt sah er sich selbst wieder. Den blonden Mann, mit den blauen Augen, dem Bart und den jetzt, wo er zum ersten Mal lachen musste, erkennbaren kleinen Falten an seinen Augen. Den Doktor.
“Oh Doktor” sagte er “wie konnte ich dich nur vergessen?”
Er richtete sich auf und betrachtete seine Hände. Zum ersten Mal sah er diese als seine eigenen an.
“Hängen wir noch ein Leben dran, nicht wahr?” erinnerte sich der Doktor und erfreute sich an dem Gedanken.
Es war alles wieder da. Clara, Martha, Jo, Ian, Barbara … Susan. Und er war der Doktor. Jetzt fehlte ihm nur noch eines. Seine TARDIS. Er blickte zurück in die Richtung, aus der er gekommen war, jedoch konnte er sie nicht sehen.
“Du brauchst wohl noch ein wenig Zeit für dich” sagte er und grinste “ich werde auf dich warten, das weißt du ja. Bis dahin werde ich einfach so weitermachen wie bisher. Immer vorwärts gehen und nicht zurück. Niemals feige, niemals grausam und niemals aufhören gütig zu sein.
In der Ferne war ein Ufer zu sehen.
“Ich werde auf dich hören und deine Worte nie vergessen, Doktor.”

Fortsetzung folgt.

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